aerzte_lizenzfreiAnlässlich des Welt-Drogentages am 26.06.2016 fordert die Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen e.V., ein besonderes Augenmerk auf die bedrohliche Versorgungssituation von Substitutionspatientinnen und –patienten in Hamburg zu legen.

Die Zahl der Drogentoten in 2015 ist in Hamburg – wie im gesamten Bundestrend – wieder deutlich angestiegen. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik kamen in der Hansestadt im vergangenen Jahr 59 Menschen in Folge von Rauschmittelkonsum ums Leben. Das waren acht mehr als im Vorjahr.

Ein großer Teil davon sind Abhängige von Heroin – eine Gruppe, für die es im Rahmen von Substitution und stationärer Reha eigentlich gute Behandlungsmöglichkeiten gibt.

Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) hat zu den bundesweiten Entwicklungen am 23. Juni 2016 eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie bessere Bedingungen für Substitutionspatienten in Haft fordert.

Die Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen e.V. beobachtet in Hamburg speziell beim Substitutionsangebot der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte besorgniserregende Entwicklungen: Während die Anzahl der Substitutionspatienten in Hamburg seit Jahren kontinuierlich ansteigt, geht die Zahl der substituierenden Ärzte gleichzeitig zurück. Der Grund: Die Hamburger Substitutionsärzte werden immer älter und es kommt kaum Nachwuchs nach. Letzte der Landesstelle bekannte Zahlen stammen aus dem Jahr 2012 und sind einem Bericht der Kassenärztlichen Vereinigung zur Situation der Substitution in Hamburg von 2009-2012 zu entnehmen.

Von den aktiv substituierenden Ärztinnen und Ärzten waren in jenem Jahr demnach 34 älter als 62 und 58 älter als 57 Jahre. Jünger als 46 Jahre waren nur sieben.

Hierzu erklärt Cornelia Mertens, stellv. Vorsitzende der HLS e.V.: „Wir haben in Hamburg ein immer schlimmer werdendes Versorgungsdefizit, da viele der aktiven Substitutionsärzte in den Ruhestand gehen und die wenigen aktiven ‚Jungsubstitutionsärzte‘ den Bedarf nicht abdecken können. Gleichzeitig plant die Behörde noch in diesem Jahr einen  massiven Umbau der psychosozialen Betreuung, die bisher das Rückgrat der Versorgung von Substituierten ist. Wir fordern die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz sowie die Hamburger Ärztekammer daher auf, ein spezielles Augenmerk auf diese Entwicklung zu legen und Vorschläge dafür zu machen, wie sich wieder mehr junge Ärztinnen und Ärzte für die Substitution gewinnen lassen. Wir sind dafür mit der Ärztekammer bereits im Dialog und arbeiten an klugen Konzepten gern mit.“

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