Das Straßenkinderprojekt KIDS verliert zum 01.10.2016 seine Räume. Die Landesstelle ist in großer Sorge über diese Entwicklung. Das KIDS leistet am Hauptbahnhof unverzichtbare Arbeit für drogenabhängige Jugendliche. Deshalb dokumentieren wir hier die Pressemitteilung von basis & woge e.V. / KIDS:

Straßenkinderprojekt KIDS steht vor dem Aus
Kündigung für Anlaufstelle am Hauptbahnhof

Hamburg, 05.08.16 – Das renommierte Hamburger Straßenkinderprojekt KIDS steht vor dem Aus. Der Investor Alstria Office Reit-AG hat den Mietvertrag für die Räume der Einrichtung im Bieberhaus am Hauptbahnhof zum 1. Oktober 2016 nach 23 Jahren gekündigt, um die Flächen zu modernisieren und zukünftig als Büros anzubieten. Eine angemessene Alternative ist für das KIDS nicht in Sicht, und nun droht Alstria sogar noch mit einer Schadensersatzklage, falls die Einrichtung nicht bis zum 1. Oktober geräumt wird. „Wenn wir unsere Einrichtung am Bahnhof schließen müssen, haben die Straßenkinder keine Anlaufstelle mehr, in der sie Hilfe und Unterstützung finden“, sagt der Leiter des KIDS, Burkhard Czarnitzki. Die Einrichtung in einen anderen Stadtteil zu verlegen sei keine Alternative, betont der Sozialarbeiter. „Wir müssen die Straßenkinder mit unseren Angeboten direkt in ihrer Lebenswelt erreichen – und das ist nun einmal der Hauptbahnhof. Die betroffenen Kinder und Jugendlichen sind darauf angewiesen, uns spontan und ohne lange Wege aufsuchen zu können.“ Czarnitzki appelliert darum dringend an die Alstria AG, die Kündigung zurückzunehmen – oder den einzigen Zufluchtsort für Straßenkinder in Hamburg nach einer Renovierungsphase durch einen neuen Mietvertrag zu retten.

kids

Das KIDS ist Deutschlands größtes Straßenkinderprojekt und befindet sich seit 1993 in dem ursprünglich städtischen Bieberhaus am Heidi-Kabel-Platz. Die Einrichtung gehört zu dem gemeinnützigen Verein basis & woge. Sie bietet an sechs Tagen pro Woche Beratung, Essen, Duschmöglichkeiten und einen warmen, geschützten Aufenthaltsort für Kinder und Jugendliche, die zeitweilig obdachlos am Hauptbahnhof leben. Allein im vergangenen Jahr hatten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des KIDS rund 10.000 Kontakte zu Betroffenen. Das Projekt wird von der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI) finanziert. Aber auch die Verantwortlichen dort konnten dem KIDS bislang keine neuen Räumlichkeiten anbieten.

„Wir sind mit Alternativen einverstanden, wenn sie sich unmittelbar in der Nähe des Hauptbahnhofes befinden“, sagt Czarnitzki weiter. „Aber wir können nicht einfach in eine andere Gegend umziehen. Dadurch würden wir jede Möglichkeit der Hilfe für die Kinder und Jugendlichen verlieren.“ Auch die Betroffenen zeigen sich geschockt von der Kündigung der Räume im Bieberhaus. Ein 15-jähriger Junge, der seit geraumer Zeit regelmäßig das Angebot der Einrichtung nutzt, betont: „Im KIDS habe ich immer Hilfe bekommen. Ich und viele meiner Freunde wissen nicht, was wir ohne diese Anlaufstelle machen sollen. Es ist, als würde man uns unser Zuhause nehmen!“

Parallel läuft eine Online-Petition https://weact.campact.de/p/kids und auf Facebook: KIDS muss bleiben ist eine Seite eingerichtet.

KIDS eMail: burkhard.czarnitzki(at)basisundwoge.de

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