Am 26. September findet bundesweit der Aktionstag Glücksspielsucht statt. Die Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen e.V. (HLS) begrüßt anlässlich dessen die Anerkennung von Glücksspiel als Suchtform und die von problematischem Computerspiel als Störung im ICD-11 der WHO. Gleichzeitig mahnt sie an, dass in Hamburg hinsichtlich einer Umsetzung der Regularien im Spielhallengesetz derzeit leider zu wenig passiert und der Spielerschutz dadurch auf der Strecke bleibt.

Mindestens eine halbe Million Menschen sind in Deutschland nach Schätzungen der Bundesdrogenbeauftragten spielsüchtig. Nicht nur für Betroffene selbst, sondern auch für deren Angehörige und Freunde ist dies in der Regel eine starke Belastung.

Die Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen e.V. (HLS) setzt sich daher auch weiterhin mit Nachdruck für eine Verbesserung der Behandlungsmöglichkeiten sowie des Spielerschutzes ein.

Ein wichtiger Baustein für bessere Regulierung und Kontrolle von Glücksspiel in Hamburg ist die Umsetzung des Spielhallengesetzes und u.a. das darin verankerte Abstandsgebot, welches eigentlich vorschreibt, dass Spielhallen seit Juli 2017 – mit Ausnahme der Regionen Reeperbahn und Steindamm – mindestens 500 Meter voneinander entfernt sein müssen. Die Umsetzung dieser Regelung konnte bisher nicht erfolgen, da die Spielhallenbetreiber Schließungen nach dem Kriterium des zeitlichen Bestehens erfolgreich rechtlich angefochten haben. Die HLS fordert die Stadt Hamburg auf, hier schnellstmögliche eine gesetzliche Grundlage zu schaffen, welche entsprechende Schließungen ermöglicht. Auch braucht die Glücksspielaufsicht im Zuge dessen eine angemessene personelle Ausstattung, um die mit dem Spielhallengesetz angestrebte Regulierung zu Gunsten des Spielerschutzes voranzutreiben. Dazu gehören auch die Prüfung von Geräte-Aufstellungen und die Umsetzung von Spieler-Jugendschutz in der Gastronomie.

Dazu Cornelia Kost, stellv. HLS-Vorsitzende: „Dass die Stadt einfach untätig bleibt, wenn es rechtlich schwierig erscheint, ein gutes Gesetz auch umzusetzen, ist ein unhaltbarer Zustand. Spielhallen an zahlreichen Straßenecken bestimmen leider nach wie vor an vielen Orten in Hamburg das Stadtbild und verlocken Menschen mit problematischem Glücksspielverhalten immer wieder dazu, ihre letzten Ersparnisse zu verspielen. Im Sinne des Spielerschutzes erscheint es aus unserer Sicht dringend geboten, hier endlich eine vernünftige rechtliche Grundlage zur Schließung von Spielhallen zu verabschieden. Ein Blick in andere Bundesländer, in denen durchaus Schließungen stattfinden, kann dabei helfen. Zudem braucht es in Hamburg in der Glücksspielaufsicht ausreichend Personal, um vernünftig zu kontrollieren und wirksam zu ahnden.

Ein erfreulicher und wichtiger Schritt in Sachen Glücksspielbehandlung wurde aus Sicht der HLS hingegen im Juni 2018 von der WHO getan. Diese stellte ihren neuen Diagnoseschlüssel ICD-11 vor, nach dem problematisches Glücksspielverhalten nun nicht mehr als Impuls-Kontrollstörung, sondern als Sucht klassifiziert wird. Behandlungsmöglichkeiten und Zuständigkeiten werden damit für Betroffene künftig klarer. Zudem wird problematisches Verhalten im Computerspiel nun erstmals als psychische Störung anerkannt und kann somit ebenfalls behandelt werden.

Wer vom Spielen nicht mehr loskommt und die Kontrolle über Einsätze und Spieldauer verliert, für den ist künftig ganz klar, dass eine Suchtberatungsstelle die richtige Anlaufstelle ist. In Hamburg gibt es in jeder Region eine auf die Hilfen für Glücksspielsüchtige spezialisierte Suchtberatungs- und Behandlungseinrichtung, die qualifizierte Hilfe anbietet. Auch wenn die Neufassung des ICD-11 für den deutschen Sprachraum noch nicht vorliegt, so ist doch klar, dass die Einordnung von Glücksspiel als Sucht damit kommen wird. Hierdurch wird der Zugang zum Hilfesystem für Betroffene hoffentlich klarer und einfacher“, so Kost abschließend.

Einen Überblick über alle Hilfen für Glücksspielsüchtige und deren Angehörige ist stets unter der Adresse www.automatisch-verloren.de zu finden.

Angehörigen und Betroffenen steht am Aktionstag selbst die Hamburger Helpline gegen Glückspielsucht von 10.00 bis 18.00 Uhr unter Telefon 040 23 93 44 44 zur Verfügung.

Außerdem lädt der Träger Aktive Suchthilfe am 26. September von 16-18 Uhr zu einer offenen Gesprächsgruppe ein. Interessierte können ohne Voranmeldung gern vorbeischauen. Die Adresse ist Repsoldstraße 4, 2. Stock.

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