Am 1. November startet auch in diesem Jahr wieder das Winternotprogramm in Hamburg. Im vergangenen Jahr mussten gerade obdachlose Menschen aus Osteuropa vielfach die Erfahrung machen, dort abgewiesen zu werden. Viele von ihnen, die auch mit Suchtproblemen kämpfen, suchten stattdessen in Angeboten der niedrigschwelligen Suchthilfe nach einem warmen Platz zum Schlafen und auch nach medizinischer Hilfe. Die Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen e.V. (HLS) appelliert an die Stadt, im Winternotprogramm 2018/2019 keine Menschen abzuweisen und außerdem darauf hinzuwirken, dass der Zugang zu medizinischer Versorgung für Menschen aller Staatsangehörigkeiten verbessert wird.

Menschen aus osteuropäischen EU-Staaten, die mit Suchtproblemen kämpfen und in Hamburg kein Obdach haben, stellen auch in der Hamburger Drogen- und Suchthilfe zunehmend eine stark wahrnehmbare Gruppe dar. In einigen Einrichtungen wie dem Abrigado in Harburg bilden sie nach Einschätzung der Mitarbeitenden etwa ein Viertel der regelmäßig Hilfe suchenden KlientInnen.

Dabei steht die Suchthilfe vor einem wesentlichen Problem: da diese Menschen häufig keinerlei Anspruch auf Sozialleistungen und keinen Krankenversicherungsschutz haben, können Sie von den BeraterInnen in der Drogen- und Suchthilfe kaum weitervermittelt werden. Von grundlegender Behandlung gegen Krankheiten wie HIV und Hepatitis, von Substitution und von Suchttherapieangeboten insgesamt bleiben sie ausgeschlossen – und das, obwohl Infektionskranheiten wie Hepatitis C ein weit verbreitetes Problem sind und die Gefahr der Ansteckung stetig wächst, wenn man hier nicht behandelt.

Ein häufig schwieriger Umgang mit den Behörden bei Versuchen, Ansprüche an Sozialleistungen geltend zu machen, erfordern immer wieder intensive Unterstützung der MitarbeiterInnen in der Suchthilfe, die vielfach sehr viel Zeit binden. Dies betrifft sowohl Menschen aus Osteuropa wie auch aus anderen Staaten.

Auch die Angst vor Abschiebung ist sehr real, obwohl sich diese bei EU-Bürgern laut Freizügigkeitsgesetz nur rechtfertigen lässt, wenn eine schwerwiegende Gefährdung der Gesellschaft vorliegt. Darüber hinaus betrachten zahlreiche Betroffene die niedrigschwellige Drogenhilfe zunehmend als dauerhaften Aufenthaltsort und erhoffen sich dort ein Dach über dem Kopf, wenn ihnen dieses im Winternotprogramm verwehrt bleibt.

Dazu Cornelia Kost, stellv. HLS-Vorsitzende: „Im Zuge der EU-Freizügigkeit kommen zahlreiche Menschen nach Hamburg, weil sie sich hier ein besseres Leben als in der Heimat erhoffen. Wenn dabei allerdings Armut mit Suchtproblemen gekoppelt ist, finden sie vielfach in den Angeboten der niedrigschwelligen Suchthilfe ein wenig Unterstützung vor, die ihnen anderswo verwehrt wird.

MitarbeiterInnen der Suchthilfe allerdings haben das Problem, diesen Menschen auf Grund fehlender Leistungsansprüche keine unterstützende Weitervermittlung anbieten zu können. Konsumräume und angeschlossene Aufenthaltsstätten werden für diese Menschen damit vielfach zum Haupt-Mittelpunkt ihres Alltags. Gerade im Winter nutzen die Betroffenen die Einrichtungen auch, um nicht zu erfrieren. Wir erachten das als unhaltbaren Zustand und appellieren an die Stadt, den Menschen in diesem Jahr im Winternotprogramm ein Bett nicht zu verwehren. Zudem ist es uns ein Anliegen, dass die politischen Akteure der Stadt sich auf der Bundes- und Europaebene einbringen, um nach tragfähigen übergreifenden Lösungen zu suchen, die diesen Menschen eine Krankenversorgung ermöglichen. Es kann nicht sein, dass sich z.B. Hepatitis C immer weiter ausbreitet, weil Menschen von der Therapie dieser Krankheit ausgeschlossen sind.

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