Zur Bürgerschaftswahl im Februar 2020 hat der Vorstand der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen e.V. (HLS) insgesamt 19 Forderungen an die Politik formuliert, um die Bedürfnisse und Auffassungen der Drogen- und Suchtkrankenhilfe in Hamburg zu verdeutlichen. In der Mitgliederversammlung der HLS am 18. November wurden diese unter anderem mit den Fachsprecher*innen aus den Bürgerschaftsfraktionen diskutiert.

Von einer verlässlichen Anpassung der Tarifsteigerungen in der Hamburger Suchtkrankenhilfe über guten Jugendschutz und Werbeverbote bis hin zu besserem Gesundheitsschutz durch kontrollierte Abgabe von Cannabis reichen die Forderungen der HLS, die diese anlässlich der Wahl Anfang 2020 an die Politik stellt.

In einem intensiven Prozess hat sich der 10-köpfige HLS-Vorstand, der aus aktiven Mitarbeitern sowie ehrenamtlichen in der Hamburger Suchtkrankenhilfe und Suchtselbsthilfe besteht, damit befasst, all seine politischen Forderungen an Hamburger Politik-Gestaltende zu Papier zu bringen. Ergebnis ist ein 19-Punkte-Papier, das unterschiedlichste Bereiche aufgreift.

Hierzu erklärt Dieter Adamski, Vorsitzender der HLS: „Viele Jahre hat die Hamburger Suchtkrankenhilfe damit zu kämpfen gehabt, dass ihre finanziellen Mittel eingefroren waren, während Tarifsteigerungen und Sachkosten anstiegen. Mit dem letzten Doppelhaushalt gab es hier zwar endlich Bewegung, aber die langfristige Verlässlichkeit, die es braucht, um gute Fachkräfte auch langfristig für die Arbeit in der Drogen- und Suchthilfe zu gewinnen und eine verlässliche Versorgung sicherzustellen, gibt es nicht. Die Forderung danach steht deshalb ganz oben in unserem Positionspapier!“

Darüber hinaus setzt sich die HLS in Hamburg dafür ein, dass in Hamburg eine Ausweitung von Prävention und Beratung auch für stoffungebundene Süchte wie Glücksspiel, Essstörungen und problematisches Medienverhalten in Angriff genommen wird. Sie spricht sich aus für besseren Jugendschutz in Bezug auf sämtliche Suchtmittel, möchte Werbeverbote für Tabak inklusive e-Zigaretten, Alkohol und auch Glücksspiel erreichen. Außerdem treiben Themen wie eine gute Ärzteversorgung für Substituierte, eine geregelte Abgabe von Cannabis an Erwachsene oder die Entstigmatisierung von suchtkranken Menschen die Mitglieder der HLS um.

Dazu Dieter Adamski: „Wir können in unserer täglichen Arbeit mit suchtkranken Menschen beobachten, wo Probleme liegen, die es politisch anzugehen gilt: eine leichte und billige Verfügbarkeit sowie Anpreisung von Suchtmitteln wie Tabak, Alkohol oder auch Glücksspiel führt dazu, dass Menschen vermehrt konsumieren und dann auch Abhängigkeiten entwickeln können. Hier muss die Politik über Instrumente wie Werbeverbote, die Durchsetzung des Abstandsgebotes bei Spielhallen oder auch Spielersperren viel konsequenter den Riegel vorschieben, um Konsumverhalten in geregelte Bahnen zu lenken.

Gleichzeitig sehen wir bei Substanzen wie Cannabis aber auch, dass eine absolute Prohibitionspolitik scheitert und kontraproduktiv für vernünftigen Gesundheitsschutz und gute Präventionsarbeit ist. Daher ist eine geregelte Abgabe nur an Erwachsene unter sehr strengen Auflagen hier aus unserer Sicht ein besserer Weg als das absolute Verbot. Auch Drugchecking-Projekte zur anonymen Prüfung der Inhaltsstoffe illegalisierter Drogen befürworten wir, um Aufklärung und Gesundheitsschutz zu verbessern.“

Ein spezieller Bereich in der Hamburger Drogen- und Suchthilfe ist der in den letzten Jahren durch die Politik vorangetriebene Prozess der Regionalisierung. Er sieht vor, dass es im Hamburger Stadtgebiet in jeder einzelnen Region mindestens eine hauptverantwortliche Suchtberatungsstelle gibt, die vor Ort lebende Menschen betreut und sich mit anderen sozialen und medizinischen Einrichtungen und Initiativen der Region gut vernetzt. Die Hamburger Drogen- und Suchthilfe hat diesen Prozess mittlerweile weitgehend vollzogen. Sie weist darauf hin, dass es wichtig ist, die Wahlfreiheit der Klient*innen im Zuge dessen trotzdem auch künftig vollständig zu erhalten und den Trägern für die Vernetzungstätigkeiten außerdem genügend Ressourcen zur Verfügung zu stellen.

Sie finden das Papier mit den insgesamt 19 Forderungen der Drogen- und Suchthilfe an die Hamburger Politik hier online als PDF zum Download.

Auf der Mitgliederversammlung der HLS am Montag, den 18. November im KLUB am Besenbinderhof 62 wurderd das Papier ausführlich vorgestellt.

Für eine Diskussion der Forderungen ab 15 Uhr unter Moderation von Marco Carini (taz Hamburg) waren die fachpolitischen Sprecher*innen der Bürgerschaftsfraktionen Sylvia Wowretzko (SPD), Christiane Blömeke (Grüne), Birgit Stöver (CDU), Deniz Celik (Linke) sowie Jennyfer Dutschke (FDP) anwesend.

Medienvertreter*innen sowie Mitarbeitende aus der Hamburger Drogen- und Suchtkrankenhilfe waren ebenfalls herzlich willkommen, zur Diskussion von 15 bis circa 16.30 Uhr dazuzukommen.

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