Am heutigen Donnerstag, den 06. August berichten mehrere Hamburger Medien darüber, dass die Spieleinsätze bei Lotto Hamburg im letzten Jahr um rund 12% gestiegen seien und dies auch zusätzliche Einnahmen für die Staatskasse sowie soziale Projekte bringt. Die Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen e.V. (HLS) ist erstaunt darüber, dass selbst der Finanzsenator hier nicht wenigstens einen kurzen kritischen Blick zur Seite wagt, denn steigende Einnahmen aus Glücksspiel gehen auch mit einer steigenden Gefahr von Glücksspielabhängigkeit einher und sind daher aus unserer Sicht kein Grund zum Feiern. 

Um etwa 12% und damit auf etwa 168,5 Millionen Euro sind in 2020 die Einsätze bei Lotto Hamburg offenbar gestiegen und der Finanzsenator weist heute freudig darauf hin, dass dies dem Landeshaushalt und auch sozialen Projekten deutlich zu Gute käme. Ein Erklärungsansatz, der hier öffentlich kommuniziert wird, ist die Vermutung, dass Menschen durch Wegfall von Urlaubsreisen in der Corona-Zeit mehr Geld in diese Form des Glücksspiels investieren konnten.

Der HLS ist es wichtig zu betonen, dass steigende Einsätze hier – auch in legalen Glücksspielangeboten – auch auf eine erhöhte Gefahr von Glücksspielabhängigkeit hindeuten können, die schwere persönliche Schicksale und oft auch Verschuldung nach sich ziehen.

Dazu Prof. Dr. Andreas Koch, Vorsitzender der HLS: „Wir sind doch stark verwundert und auch enttäuscht, dass zu den gestiegenen Einnahmen im Lotto vor dem Hintergrund der bekannten Gefahren von Glücksspiel kein einziges kritisches Wort von politischer Seite zu lesen ist. Auch wenn Lotto nicht die Form des Glücksspiels ist, bei der die größten Abhängigkeiten entstehen, so ist es dennoch sehr kritisch zu sehen, dass Menschen offenbar vermehrt in solche Angebote investieren. Auch legales Glücksspiel kann Abhängigkeit befördern: das gilt ganz besonders auch für das legale Spielen in Spielbanken, Spielhallen, Gaststätten und im Internet. Seit dem 1.7. ist auch Online-Spiel bei lizensierten Anbietern mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag in ganz Deutschland legal geworden.

Wir nehmen als Landesstelle leider wahr, dass in der Beratung schon jetzt Menschen mit Abhängigkeits-Symptomen vorstellig werden, die in der Pandemie vermehrt zu Hause vor dem PC gespielt haben. Eine Sucht in diesem Bereich treibt ganze Familien innerhalb kurzer Zeit nicht selten in den finanziellen Ruin. Erhöhte Glücksspieleinnahmen sind daher aus unserer Sicht für den Staat kein Grund zum Feiern. Dass einige soziale Projekte, die aus Glücksspieleinnahmen gefördert werden, von diesen komplett abhängen, hat aus unserer Sicht immer auch einen etwas faden Beigeschmack – so begrüßenswert diese Projekte auch sind.“

Hintergrundinfos:

  • Mindestens eine halbe Million Menschen in Deutschland sind nach aktuellen Schätzungen der Bundesdrogenbeauftragten spielsüchtig, mindestens ebenso viele zeigen ein so genanntes kritisches Spielverhalten.
  • Sieht man sich Brutto-Spiel-Erträge der staatlichen Spielbanken vor der Corona-Pandemie an, so sind diese von 2018 auf 2019 um rund 25% gestiegen – von etwa 648 Millionen auf 860 Millionen im Jahr. Auch von diesen Einnahmen einer sehr häufig in Abhängigkeiten führenden Form der Freizeitunterhaltung profitiert der Staat direkt.
  • In Deutschland ist zum 1.7. der neue Glücksspielstaatsvertrag in Kraft getreten, der erstmals auch Online-Glücksspiel bei zuvor staatlich lizensierten Anbietern in ganz Deutschland legal zugänglich macht. Die Aufsichtsbehörde, die künftig auch überwachen soll, dass Online-Spiel nur in geregelten legalen Bahnen passiert, befindet sich allerdings noch im Aufbau.
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