Im Rahmen der Bürgerschaftswahlen 2025 hat die Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen Wahlprüfsteine an die demokratischen Parteien der Bürgerschaft gesendet. Hier finden Sie die Antworten:
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Eine fachliche Kommentierung der von der Sozialbehörde geplanten Maßnahmen rund um den Hauptbahnhof

Am Mittwoch, 21. Februar 2024 haben die Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer und der Leiter des Bezirksamts Mitte, Ralf Neubauer (beide SPD) ein Maßnahmenpaket verkündet, mit dem die Situation am Hamburger Hauptbahnhof verbessert werden soll. Die Pressemitteilung ist hier zu lesen.
Die Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen hat den Prozess beratend begleitet. Im folgenden Dokument möchten wir unsere fachliche Kommentierung zu den geplanten Maßnahmen teilen:
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Zum Internationalen Tag gegen patriarchale Gewalt: „Eine spezifische Zielgruppe braucht spezifische Angebote“

Anlässlich des Internationalen Tages gegen patriarchale Gewalt macht die Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen (HLS e.V.) gemeinsam mit Frauenperspektiven e.V. auf die mangelnde Berücksichtigung traumatisierter Frauen im Suchthilfesystem aufmerksam.
Jeden Tag versucht in Deutschland ein Mann, seine (Ex-)Partnerin zu töten, jeden dritten Tag gelingt es ihm. Doch die Tötungsdelikte sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. 240.547 Menschen waren im Jahr 2022 von Gewalt im häuslichen Umfeld betroffen, davon 71,1 Prozent Frauen (Quelle: BKA 2023). Wie tief dieser Eisberg ist, bleibt unklar, da die Statistik nur angezeigte Gewalttaten erfasst. Fest steht, dass Frauen aufgrund ihres Geschlechts häufiger durch Partnerschaftsgewalt und sexuellen Missbrauch traumatisiert werden als Männer.
Die Symptome von Traumafolgestörungen werden von Betroffenen im Sinne einer Selbstmedikation sehr häufig mit Alkohol, Medikamenten oder anderen Substanzen mit Suchtpotential reguliert. Um den Betroffenen andere Perspektiven aufzuzeigen und damit ein suchtmittelfreies Leben zu ermöglichen, gibt es frauenspezifische Angebote in Hamburg wie die Beratungsstelle Frauenperspektiven für erwachsene Frauen und Kajal-Frauenperspektiven für junge Frauen und Mädchen. Sie bieten Frauen mit Suchtmittelkonsum und Gewalterfahrungen einen wichtigen Schutzraum.
Wie wichtig frauenspezifische Angebote sind, zeigen auch die Zahlen der Hamburger Basisdatendokumentation (BADO), einem Monitoringsystem der Hamburger Sucht- und Drogenhilfe in Kooperation mit der Sozialbehörde. Der BADO-Statusbericht 2021 fokussiert auf psychische Belastungen in der Suchthilfe. Hier zeigen sich deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede, wobei weibliche Abhängigkeitserkrankte stärker belastet sind: Bei Betreuungsbeginn in der Beratungsstelle Frauenperspektiven leiden 81 Prozent der Klientinnen unter erheblichen oder extremen psychischen Belastungen und damit fast doppelt so viele wie in der Gesamtgruppe der Personen im Suchthilfesystem, da sind es 47 Prozent.
Diese Belastungen gehen häufig mit mehreren komorbiden Störungen einher, die auch in der Beratung und den anschließenden Maßnahmen der Suchthilfe ein Mehr an Zeit, Vertrauen und Unterstützung erfordern. „Doch genau diese Unterstützung konnte Frauenperspektiven aufgrund der unpassenden Rahmenbedingungen nicht mehr uneingeschränkt gewährleisten“, so Antje Homann Fachliche Leitung der Ambulanten Therapie von Frauenperspektiven. Aus diesem Grund habe sich das Team entschlossen, die Ambulante Rehabilitation zum 31.12.2023 zu schließen.
„Wir sind sehr traurig über diesen Schritt und haben im Team lange darüber diskutiert, ob wir ihn verhindern können. Letztlich sind wir aber zu dem Schluss gekommen, dass wir unter den gegebenen Rahmenbedingungen kein fachlich sauberes Angebot mehr gewährleisten können. Die kompetente Betreuung der Klientinnen, aber auch die Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen haben Vorrang“, erklärt Homann.
Die bestehenden Rahmenbedingungen, die Homann anspricht, werden von den Zuwendungsgebern und Leistungsträgern bestimmt. Hier wird es kurz kompliziert: Ambulante Rehabilitation ist eine therapeutische Maßnahme. Therapeutische Maßnahmen werden grundsätzlich von der Rentenversicherung oder den Krankenkassen finanziert. Darüber hinaus beteiligt sich die Hamburger Sozialbehörde im Rahmen einer Sockelfinanzierung. Damit das Angebot förderfähig ist, müssen Rahmenbedingungen erfüllt sein. Diese Rahmenbedingungen wurden zwischen den Leistungsträgern und den Trägern der Suchthilfe verhandelt. Demnach müssen zum Beispiel im Rahmen der ambulanten Rehabilitation wöchentlich gruppentherapeutische Gespräche und ergänzend dazu alle zwei Wochen ein Einzelgespräch stattfinden. Die Gruppentherapie wird i.d.R. von einer Therapeutin durchgeführt, so sehen es die finanziellen Rahmenbedingungen vor.
„Diese Rahmenbedingungen gelten für alle Träger, die in der ambulanten Suchtreha aktiv sind. Doch eine spezifische Zielgruppe, wie die der traumatisierten Frauen, braucht auch spezifische Angebote“, erklärt Susanne Herschelmann, Leiterin von Kajal-Frauenperspektiven.
„Traumatisierte Menschen weisen andere Symptome auf“, erklärt Herschelmann weiter, „die Psychotherapeut*innenkammer hat eine klare Empfehlung ausgesprochen, dass Gruppen, an denen auch traumatisierte Menschen teilnehmen, von mindestens zwei Therapeut*innen geleitet werden sollen“. Das liege einerseits an dissoziativen Symptomen einzelner Teilnehmer*innen, die auch mal spontan den Übergang aus der Gruppe in ein Einzelgespräch erfordern, andererseits wolle man mit dieser Empfehlung auch die eigenen Mitarbeiter*innen schützen. „Wir haben eine klare feministische Ausrichtung in unserer Arbeit. Das bedeutet für uns auch, der Selbstausbeutung von Therapeut*innen entgegenzuwirken“, ergänzt Nadja Borlinghaus, Leitung der Suchtberatung Frauenperspektiven.
Es ist also wichtig, auch in Hamburg Rahmenbedingungen für therapeutische Maßnahmen zu schaffen, die auf die Bedürfnisse traumatisierter Frauen abgestimmt sind. In anderen Regionen stehen zwar einzelne stationäre frauenspezifische Angebote in Einrichtungen zur Verfügung, doch am Ende bleibt das ernüchternde Fazit: Traumatisierte Frauen sind doppelt diskriminiert. Zum einen sind sie aufgrund ihres Geschlechts deutlich stärker von Gewalterfahrungen bedroht, zum anderen werden ihre Bedürfnisse im Suchthilfesystem in Norddeutschland nicht ausreichend berücksichtigt. Angesichts der nach wie vor hohen Zahlen patriarchaler Gewalt ein fatales Signal.
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Suchtberatung chronisch unterfinanziert: Aktionstag ruft zur Unterstützung auf

Rund 30 Prozent der erwachsenen Deutschen haben bereits Erfahrungen mit illegalen Drogen gemacht, etwa 8,2 Millionen Deutsche sind von Abhängigkeitserkrankungen betroffen – doch das Bewusstsein für dieses drängende Thema ist gering.
Die Suchthilfe in Deutschland sieht sich mit akutem Stellenabbau, unsicheren Finanzierungsbedingungen, zunehmendem Fachkräftemangel und gleichzeitig steigendem Beratungsbedarf in der Allgemeinbevölkerung konfrontiert. Diese Herausforderungen werden durch politische Kürzungen verschärft und senden ein fatales Signal an die Betroffenen: Abhängigkeitserkrankungen, die ohnehin zu den stark stigmatisierten psychischen Erkrankungen gehören, scheinen nicht den Stellenwert zu haben, der notwendig ist, um ihnen angemessen vorzubeugen und sie zu behandeln.
Am morgigen 9. November findet der bundesweite Aktionstag „Suchtkrankenhilfe – kommunal wertvoll“ statt, der von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) organisiert wird und unter der Schirmherrschaft des Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, Burkhard Blienert, steht. Im Mittelpunkt stehen die rund 1.300 Suchtberatungsstellen, die jährlich über eine halbe Million Abhängigkeitserkrankte und ihre Angehörigen beraten, begleiten, unterstützen und stabilisieren.
Die Notwendigkeit dieser Einrichtungen ist angesichts dieser Zahlen offensichtlich, doch die Suchthilfe kämpfte Jahr für Jahr um dringend benötigte finanzielle Mittel. So musste auch die Suchthilfe in Hamburg in den letzten zehn Jahren einen spürbaren Stellenabbau hinnehmen und die steigenden Energiekosten machen die ohnehin unzureichende Finanzierung der Suchtberatungsstellen noch unsicherer. In der Folge müssen viele Betroffene und ihre Angehörigen trotz erheblichen Leidensdrucks zum Teil wochen- bis monatelange Wartezeiten für einen ersten Beratungstermin in Kauf nehmen.
Dabei ist ein bedingungsloser Zugang zu den Angeboten entscheidend, um sicherzustellen, dass Betroffene und ihre Angehörigen unabhängig von sozialen oder wirtschaftlichen Faktoren Unterstützung erhalten. „In erster Linie geht es um die Gesundheit der Betroffenen, Sucht wird gesellschaftlich immer noch nicht als die Krankheit wahrgenommen, die sie ist, sondern häufig mit persönlichem Versagen in Verbindung gebracht. Dabei kann Sucht jede*n treffen – unabhängig der sozialen Schicht“, sagt Sarah Kessler, Geschäftsführerin der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen (HLS e.V.). „Aber auch volkswirtschaftlich ist die Suchthilfe von enormer Bedeutung. Eine aktuelle Studie des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zeigt, dass die durch die Suchtberatung eingesparten gesellschaftlichen Kosten die aufgewendeten Mittel um mehr als das Zehnfache übersteigen. Dies unterstreicht die hohe Wirkungsmacht der Suchtberatungsstellen.“ Dennoch sind die Einrichtungen mit erheblichen finanziellen Unsicherheiten konfrontiert.
Die Herausforderungen sind enorm. Die Unterfinanzierung der Suchtberatung hat bereits gravierende Folgen: Neben zum Teil langen Wartezeiten kann nicht jede*r die Angebote nutzen.
„Wir brauchen Lösungen für Menschen, die nicht krankenversichert sind und deshalb bisher keinen Anspruch auf Entgiftung, Maßnahmen der Eingliederungshilfe, also zum Beispiel tagesstrukturierende Angebote, ambulante Betreuung oder Übergangseinrichtungen haben“, ergänzt Kessler. Entscheidend sei auch die Kontinuität der Angebote, die sicherstellt, dass Betroffene und Angehörige während des gesamten Behandlungsverlaufs unterstützt werden. Um dies zu ermöglichen, sei vor allem eine ausreichende Finanzierungssicherheit notwendig.
„Die Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen setzt sich aktiv für eine angemessene Finanzierung der Suchtberatung ein und lädt die Politik zu einem offenen sozialpolitischen Diskussionsprozess ein, um gemeinsam Lösungen für gesetzliche Regelungen zu finden“, so Kessler.
Die Bedeutung der Suchtberatungsstellen für die Gesellschaft und die Betroffenen und ihre Angehörigen ist unbestritten und es ist höchste Zeit, die Finanzierung dieser Einrichtungen auf eine solide Basis zu stellen, damit sie auch in Zukunft effektiv und nachhaltig arbeiten können.
Kontakt
Bei weiterführenden Fragen wenden Sie sich gerne an:
Sarah Kessler
Geschäftsführerin
Hamburgische Landesstelle für SuchtfragenTel.: 0151-50721383
E-Mail: sarah.kessler@landesstelle-hamburg.de -
Suchtberatung in Deutschland: Eckpunktepapier der DHS fordert dringende Finanzierungslösungen

Jährlich suchen mehr als eine halbe Million Suchtkranke und ihre Angehörigen Hilfe in rund 1.400 Suchtberatungsstellen. Diese Einrichtungen sind unverzichtbare Anlaufstellen, doch trotz ihrer zentralen Bedeutung leiden die Suchtberatungsstellen seit Jahrzehnten unter einer chronischen Unterfinanzierung, die sich angesichts der wirtschaftlichen Herausforderungen noch verschärft.
Dieses Problem greift die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) mit ihrem Eckpunktepapier auf. Sie will damit eine breite Diskussion über gesetzliche Maßnahmen zur Sicherung der Suchtberatung anstoßen. Als Hamburgische Landesstelle für Suchtfragen unterstützen wir das Eckpunktepapier.
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Sarah Kessler übernimmt die Geschäftsführung der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen

Wechsel in ihrer Führung bei der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen (HLS): Nach einer erfolgreichen Amtszeit von Tanja Adriany, die die HLS seit Januar 2022 geleitet hat, tritt nun Sarah Kessler als neue Geschäftsführerin in ihre Fußstapfen.
Tanja Adriany hat während ihrer Amtszeit eine tragende Rolle bei der Weiterentwicklung der HLS gespielt. Ihre langjährige Erfahrung in der Suchthilfe brachte wertvolle Einblicke in die Bedürfnisse der Betroffenen und die Anforderungen an die unterstützenden Einrichtungen. Ihre Aufgaben übernimmt nun Sarah Kessler.
Die HLS fungiert als Dachorganisation für mehr als 40 Einrichtungen und Institutionen der Suchthilfe in Hamburg. Sie koordiniert die strategische Ausrichtung und politische Vertretung dieser Organisationen. Mit dem Wechsel an der Spitze der HLS eröffnen sich neue Perspektiven.
Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin Sarah Kessler legt den Fokus auf die strategische und politische Ausrichtung der HLS. Zuvor begleitete sie einen der größten deutschen Kreisverbände von Bündnis 90/die Grünen in Münster als Vorstandsmitglied. Nach ihrem Studium der Politik- und Rechtswissenschaften, wurde Kessler Teil der Redaktion des Emotion Magazin. Nun kehrt die 29-Jährige wieder näher zur Politik zurück. Seit dem 15. August verstärkt sie die HLS als Geschäftsführerin. „Ich freue mich darauf, das Bewusstsein für das Thema Sucht und Abhängigkeitserkrankungen als eine der häufigsten psychischen Erkrankungen in der Öffentlichkeit zu stärken. Gerade in Zeiten, in denen unsere Demokratie von extrem rechten Gruppierungen bedroht wird, ist es besonders wichtig, die Bedürfnisse marginalisierter Gruppen im Blick zu behalten. In meinem Fall sind das die Bedürfnisse von Menschen, die Suchtmittel nutzen bzw. von Abhängigkeitserkrankungen betroffen sind und die in unserer Gesellschaft mit vielen Vorurteilen konfrontiert sind“, so Kessler.Die HLS wird unter der neuen Geschäftsführerin die politische Kommunikation der Suchthilfe in Hamburg weiterführen. Suchtmittelkonsum und Abhängigkeitserkrankungen sind sensible Themen, die sowohl von Vorurteilen in der Gesellschaft als auch von Schamgefühlen bei den Betroffenen begleitet werden. Kessler wird die Schnittstelle zwischen den Mitgliedsorganisationen der HLS und insbesondere der Politik bilden, um eine effektive und nachhaltige Suchtpolitik zu fördern, die den Bedarfen der Betroffenen und deren Angehöriger gerecht wird.
„Hierbei setze ich auf einen konstruktiven demokratisch-überparteilichen Austausch. Denn nur wenn wir uns zusammenschließen und für die gleichen Werte einstehen, können wir wirklich etwas bewegen“, sagt Kessler.
Die HLS hat sich unter Tanja Adriany bereits als wichtige Stimme in der Diskussion um Suchtpolitik etabliert. Mit Sarah Kessler an der Spitze wird sie diese Rolle weiter stärken und sich aktiv in die politische Debatte einbringen.